
Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie kommen morgen ins Büro und erfahren, dass ein Kollege aus dem Kundenservice versehentlich auf eine Phishing-E-Mail geklickt hat. Nicht nur das, er hat auch seine Anmeldedaten weitergegeben, weil er dachte, er würde sich im Online-Arbeitsbereich des Unternehmens anmelden. Innerhalb kürzester Zeit ist sein Computer unbrauchbar und die Online-Umgebung gesperrt.
Wenn Ihr Unternehmen Opfer eines Cyberangriffs wird, sind Sie als Sicherheitsbeauftragter damit beschäftigt, den Schaden zu begrenzen (und dabei kaum dem Drang widerstehen zu können, sich die Haare auszureißen). Sie versuchen, sensible Informationen zu schützen, finanzielle Risiken zu minimieren und den Vorfall zu untersuchen. In all dem Chaos kann man jedoch leicht die tieferen Auswirkungen eines Cybervorfalls auf sich selbst und Ihre Kollegen übersehen. In diesem Blog beleuchten wir diese versteckten Folgen.
Heutzutage können Cyberangriffe als eine Form von psychosozialem Stress angesehen werden. Dabei handelt es sich um Stresssituationen, denen Mitarbeiter am Arbeitsplatz ausgesetzt sein können, wie Mobbing, Diskriminierung oder hoher Arbeitsdruck. Manchmal können die Auswirkungen solcher Szenarien so schwerwiegend sein, dass Mitarbeiter professionelle Unterstützung benötigen.
Dennie Spreeuwenberg, CEO von Awaretrain, erklärt: „Es ist der Albtraum jedes Unternehmens, Opfer eines Cybervorfalls zu werden. Aber wir sollten nicht vergessen, dass dies für die Mitarbeiter ebenso ein Albtraum sein kann. Während alle Anstrengungen unternommen werden, um den Geschäftsbetrieb wiederherzustellen, ist es ebenso wichtig, sich der psychologischen Auswirkungen auf die Mitarbeiter bewusst zu sein.“
Kollegen sind bei einem Cybervorfall oft nur Zuschauer. Sie sehen die Panik, Frustration und Besorgnis innerhalb des Unternehmens, wissen aber nicht genau, was vor sich geht und was das für sie persönlich bedeutet. Diese Unsicherheit kann zu Unruhe am Arbeitsplatz führen.
Es gibt unzählige Möglichkeiten, wie sich ein Cybervorfall auf Mitarbeiter auswirken kann. Hier sind einige realistische Szenarien:
Nehmen wir zum Beispiel Ransomware: Eine Methode, bei der Cyberkriminelle ganze Systeme übernehmen und Lösegeld fordern. Wenn Mitarbeiter den Zugriff auf Systeme oder Computer verlieren, können sie ihre Aufgaben nicht mehr ausführen. Projekte und Produktion kommen zum Stillstand, die Arbeitslast häuft sich und der Stresspegel steigt.
Ein Cybervorfall kann auch dazu führen, dass Mitarbeiterdaten gestohlen und weitergegeben werden. Dies untergräbt das Vertrauen und schafft ein Gefühl der Unsicherheit. Im vergangenen Jahr wurde die US-Niederlassung von Ahold Delhaize Opfer einer Ransomware-Attacke. Dabei wurden Mitarbeiterdaten aus den USA und Europa gestohlen, darunter Namen, Teile von Bankkontonummern und Gehaltsangaben. Berichten zufolge waren die Mitarbeiter über diese Datenpanne zutiefst beunruhigt. Das ist verständlich, da solche Datenverstöße schwerwiegende persönliche Folgen haben können.
Die Mitarbeiter werden unweigerlich fragen: Wer ist dafür verantwortlich? Die Antwort kann nach außen gerichtet sein: „Die IT-Abteilung ist inkompetent“ oder nach innen: „Das ist meine Schuld“. Dieser letzte Gedanke kann den unglücklichen Mitarbeiter, der auf einen Phishing-Link geklickt oder Daten weitergegeben hat, schwer belasten. Er könnte zu der Überzeugung gelangen, dass seine Handlungen direkt zu dem Vorfall geführt haben.
IT- und Sicherheitsexperten stehen auch unter enormem psychologischen Druck. Für viele fühlt sich ein Cybervorfall wie ein Worst-Case-Szenario an. Als Fachmann möchte man „die Kontrolle behalten“, aber wenn das eigene Unternehmen angegriffen wird, ist man plötzlich machtlos. Extremer Druck. Während eines Vorfalls arbeiten IT- und Sicherheitsteams rund um die Uhr daran, die Situation zu analysieren, das Problem zu beheben und das Unternehmen zu schützen. Alle Augen sind auf sie gerichtet, und es wird eine schnelle Rückkehr zur Normalität erwartet. Wenn die Presse Wind von dem Vorfall bekommt, stehen diese Teams auch unter öffentlicher Beobachtung. Ein solcher Druck kann das Selbstvertrauen beeinträchtigen und den Stresspegel noch weiter in die Höhe treiben.
Untersuchungen zeigen, dass IT- und Sicherheitsteams nach einem Ransomware-Vorfall fast immer direkte Konsequenzen zu tragen haben:
Häufig lautet die Schlussfolgerung, dass der Vorfall auf Systemausfälle, mangelndes Wissen oder einen Moment der Unachtsamkeit zurückzuführen ist. Im Nachhinein betrachtet hätten viele Mängel vermieden oder gemildert werden können. Sowohl vor als auch während des Vorfalls haben IT-Teams möglicherweise das Gefühl, versagt zu haben. Die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, ist leider begründet: Ein Viertel der Unternehmen ersetzt nach einem Cybervorfall die Führungskräfte. Diese Angst erhöht den Druck, und wenn sie Realität wird, kann dies schwerwiegende Folgen für die Karriere und das Privatleben einer Person haben.
Erkennen Sie, dass jeder zum Opfer werden kann
Diese Denkweise hilft, Schuldgefühle zu reduzieren. Jeder kann zum Ziel werden: vom CEO bis zur Empfangsdame. Dank technologischer Fortschritte werden Cyberkriminelle immer präziser, wodurch erfolgreiche Angriffe wahrscheinlicher werden.
Kommunizieren Sie einfühlsam und transparent
Transparente, ehrliche Kommunikation ist entscheidend. Nehmen Sie Stress und Unsicherheit wahr und bieten Sie Raum für Fragen und Unterstützung. Die Einrichtung einer klaren Anlaufstelle für Anliegen hilft den Mitarbeitern, sich gehört zu fühlen.
Investieren Sie in Schulungen und Sensibilisierung
Durch die Erweiterung ihres Wissens über Informationssicherheit fühlen sich Mitarbeiter kompetenter und sicherer. Dank regelmäßiger Sensibilisierungsschulungen erkennen Mitarbeiter Risiken schneller und wissen, wie sie darauf reagieren müssen. Durch die Integration der Schulungen in den Arbeitsalltag bleibt das Bewusstsein wach und die Mitarbeiter aufmerksam.
Fördern Sie eine Kultur des Berichtswesens, keine Kultur der Schuldzuweisung
Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter, verdächtige Aktivitäten sofort zu melden. Vermeiden Sie harte Reaktionen, wenn Fehler passieren, wie z. B. das Anklicken eines Phishing-Links. Strafende Reaktionen schüren Angst und halten davon ab, künftig Vorfälle zu melden. Ein neutraler, unterstützender Ansatz schafft Vertrauen und fördert eine Kultur der Offenheit.
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